Reisebericht 16 Mexico / zentr. Hochland Drucken E-Mail

Flagge MexicoPunkt drei Uhr nachmittags fährt die Fähre von Pichilingua auf der Baja California in Richtung Festland los.

 

Der Kapitän kämpft auf der gesamten Überfahrt gegen meterhohe Wellen an, die kontinuierlich seitwärts gegen die Bootswand klatschen. Wir kommen heil und ohne Seekrank zu werden mit zwei Stunden Verspätung im Hafen vom Topolobampo an.

Die nächste Stadt die wir auf der teuren Autobahn erreichen ist Mazatlan, ein Ferien-Disneyland für die Amerikaner. Schon bei der Einfahrt werden wir von den bekannten Fastfood Ketten Amerikas empfangen, der Campingplatz im Ort liegt in einer Preisklasse das man das Gefühl hat, dass morgens der Kaffee auf dem Silbertablett serviert wird. Wir entscheiden uns deshalb für die gratis Variante den Parkplatz vor den Villen der reichen Nordamerikaner.

Uns fällt es nicht schwer, diesen Ort am nächsten Tag frühzeitig zu verlassen und uns ins zentrale Hochland auf zu machen. Vor uns steht die berüchtigte Mex 40 auch bekannt als Espinanzo del Diablo (Rückengrad des Teufels). Die Strasse führt zunächst durchs grüne, fruchtbare Hinterland, bis sie sich steil über 10'000 Kurven den Berg entlang hoch windet. Unterwegs treffen wir auf einen gekippten Lastwagen der hoffnungslos im Strassengraben liegt, anscheinend war dieser zu schnell unterwegs. Man muss hierbei noch erwähnen wenn einem die tonnenschweren Monster in einer Kurve entgegenkommen, nehmen die den ganzen Platz der Strasse ein und den anderen Verkehrsteilnehmer bleibt nichts anderes übrig als zu bremsen oder warten. Die Luft wird auf 2000 Meter zunehmend dünner, sodass wir dem erhitzten Troopy eine ordentliche Pause gönnen. Am frühen Abend erreichen wir ohne weitere heikle Manöver die Hochebene und finden einen sicheren Stellplatz bei einer netten Familie die ein Restaurant und Cabins (Schlafkabinen) betreibt. Für wenige Pesos nehmen wir dort eine heisse Dusche und essen anschliessend im Restaurant feine Burritos und Pommes Frites. Unsere Zentralheizung wird nach Monaten wieder in Betrieb genommen, da unser Thermometer gerade noch 2 Grad Celsius aufzeigt. Der nächste Tag beginnt sonnig aber nach wie vor kühl. Wir fahren durch Föhrenwälder bis wir die hektische Stadt Durango erreichen. Hier wurden oder werden in der näheren Umgebung Western Filme gedreht, doch wir lassen diese Location aus und fahren zu einem anderen Drehort dem Parque Nacional Sierra de Organos. Eine bizarre Felsenlandschaft in absoluter Einsamkeit erwartet uns dort. Beim freundlichen fast zahnlosen Ranchero (Parkhüter) bezahlen wir das Eintrittsgeld und fahren zum Campingplatz den wir gemeinsam mit den Kojoten für die Nacht teilen. Tags darauf als wir gerade zur Weiterfahrt startklar sind, kommt uns ein MAN Fahrzeug mit deutschen Autonummernschilder entgegen gefahren. Wir treffen Freddy und Rita mit ihrem Hund Simba an, die drei sind schon 5 Jahre unterwegs, gestartet sind sie in Deutschland, durchquerten Afrika, Süd- und Zentralamerika. Das Weiterfahren vergessen wir ganz schnell wieder, stellen uns dafür gemeinsam mit ihnen für eine weitere Nacht in der John Wayne Western Kulisse hin. Beim Grillieren erfahren wir mehr von ihrer abenteuerlichen Reise die sie bis jetzt erlebt haben, dank Freddys Filmerei haben die Beiden immer wieder interessante Begegnungen, doch auch ihre haarsträubenden Geschichten sind nicht ohne, uns bleibt nur schon beim Zuhören die Spucke weg.

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege und wir fahren zur Silberminenstadt Zacatecas. Laut unserem Reiseführer gilt Zacatecas als eine der schönsten Städte Mexikos und ist seit 1993 Patrimonio de la Humanidad (Weltkulturerbe). Doch davon wollen wir uns selber überzeugen und steigen steil vom Campingplatz ins geschäftige Städtchen hinunter. In der Kathedrale können wir eine Weihung der Universität Absolventen mitverfolgen, zu diesem Anlass spielt im Hintergrund eine Marachi Kapelle in der Charro-Tracht und anschliessend werden die Gefeierten mit Blumen überhäuft. Wir schauen dem Treiben noch ein wenig zu bemerken dabei auch, dass es sich hier um die obere Schicht der Mexikaner handelt, die Angehörigen tragen pic feine, moderne Kleidung, sind ausgestattet mit den neusten Foto- und Filmkameras die auf dem Markt erhältlich sind. Die mexikanischen Strassenverkäufer wirken dagegen sehr ärmlich, was sie natürlich auch sind. Eine gutsituierte Mittelschicht ist weniger ausgeprägt, das städtische Heer ungelernter Arbeiter überwiegt bei weitem.

Wir schlendern weiter und treffen auf einem Bauernaufmarsch vor dem Amtshaus, der sich aber erstaunlicher Weise ruhig verhält. Eine Ecke weiter sind wir in der belebten Innenstadt wo gefeilscht, gespielt und der neuste Klatsch ausgetauscht wird. Durch die engen Gassen zwängen sich stinkende Linienbusse, Mopeds, Autos und Fussgänger. Erschöpft von den vielen Eindrücken machen wir Rast bei einer Fischimbissbude und nehmen einen kleinen Happen zu uns. Zum Abschluss unserer Stadtbesichtigung besuchen wir die Abendmesse in der barocken Santo Domingo Kirche, die mit den acht prächtigen Seitenaltären alle mit blendenden Blattgold überzogen zur reichsten Kirche Zacatecas gehört.

Von der Weltkulturstadt in die Stadt der Künstler nach San Miguel de Allende, aber auch in die Stadt der Amerikaner, die sich hier besonders wohlfühlen, sie kommen in Scharen und viele bleiben für immer. Kein Wunder, die malerische Kolonialstadt liegt im hügeligen Gelände auf 1900 Meter in mildem, angenehmen Klima. Auch hier lassen wir das Ambiente auf uns einwirken, leider nicht mehr das, welches die Beatniks in den 50 er Jahren hier antrafen. Heute ist es ein Magnet für jene die im Instituto Allende eine der renommierten Kunstschulen sich weiterbilden und dazu noch die spanische Sprache lernen. Doch das alles lässt uns kalt, wir besuchen weder das eine noch das andere, wir finden vor allem an den bunten überdachten Markthallen unseren Gefallen. Dort bestaunen wir das präzis aufgeschichtete frische Gemüse und Obst, erfreuen uns am Geruch der frischen Blumen und weniger an dessen des Fleisches. An einem der vielen Essstände trinken wir frisch gepressten Orangensaft und essen einen mexikanischen Hamburguesa (Hamburger) was um Welten besser schmeckt als die amerikanische Fastfood Version. Im artisanen Markt schlendern wir durch die Marktstände der Indigenas (mex. Urbevölkerung) die hier ihr Kunsthandwerk anpreisen.

 

Da Mexiko noch weiter schöne Gegenden bietet, machen wir uns auf zu der Reserva de la Biosfera Mariposa Monarche was soviel wie die geschützten Wälder der Monarch Schmetterlinge heisst. Nach einem langen Autofahrtag über weiss nicht wie viele Topes (Strassenschwellen), auf steilen Zickzack Strassen abwärts vorbei an am Hang gebauten Ortschaften wie die von Angangueo erreichen wir diesmal auf einer bergaufwärts 12km langen Rüttelpiste den Ausgangsort vom Santuario (Schutzgebiet) El Rosario. Zu den Schmetterlingen habe ich Folgendes nachgelesen: Die orange-schwarzen Monarch-Schmetterlinge sind die extremsten unter den Wanderschmetterlingen der Welt. Zur Überwinterung fliegen sie alljährlich mit Beginn der kalten Jahreszeit aus Zentral- und Ostamerika sowie vom südlichen Kanada in grossen Gruppen zigmillionfach bis in die Berge Zentralsmexikos. Dabei legen sie täglich bis zu 130 km zurück bei einer Gesamtstrecke von über 3000 km. Bewundernswert, die Rückreise wäre auch noch ein ganzen Kapitel lang, doch die lass ich jetzt lieber sein. Wir sind nicht hier hin gefahren um reisemüde Schmetterlinge zu sehen, nein das Faszinierende ist wie sie hier auf über 3000 m Höhe von der Kälte erstarren und sich an den Ästen der Fichten niederlassen. Erst wenn die Sonne scheint werden sie zum Leben erweckt. Das ist auch der Zeitpunkt wo wir keuchend infolge der dünnen Luft die Lichtung mit den Schmetterlingen erreichen. Überall um uns herum fliegen die orange-schwarzen Schmetterlinge setzen sich auf Fichten, Zedern und Blüten ab. Das Fotografieren wird zur Herausforderung, da die scheuen Monarchen bei der geringsten Bewegung weg fliegen und in hastigen Flügelschlägen eine sichere neue Stelle ansteuern. Gemeinsam versuchen wir fliegende Schmetterlinge vor die Linse zu kriegen, dabei gehe ich langsam durch die Blumenwiese um mich herum fliegen die Schmetterlinge auf und Adriano versucht sie dabei zu fotografieren. Ähnlich wie es die Wale mit den Fischschwärmen machen, abgesehen davon, dass wir die kleine farbigen Insekten nicht verspeisen. Nach zwei Stunden an diesem ruhigen Platz machen wir uns an den Rückweg, einen steilen Weg durch den Wald. Ich muss dazu noch erwähnen, dass wir nicht den offiziellen Eingang in den Santuario genommen haben. Nachdem ich ebenfalls im Reiseführer nachgelesen habe, das rundherum und im Schutzgebiet selber der Nadelwald abgeholzt wird wollten wir kein extra Geld für neue Touristen-Verkaufsstände finanzieren!


Da wir von anderen Reisenden erfahren haben, das es um und in der Stadt Mexiko nur so von korrupten Polizisten wimmelt, haben wir kurzerhand unsere Reiseroute geändert, streichen die Pyramiden von Teotihuacan von unserem Programm, gibt schliesslich noch genug Maya Ruinen die wir besichtigen können, und umfahren die 20 Millionenstadt grossräumig. Doch es kommt anders. Nachdem wir uns auf der mit Topes und Schlaglöcher gespickten Landstrasse auf der das vorwärts kommen für uns und selbstverständlich den armen Troopy zur reinsten Tortur wird, werden wir auch noch von einem, über beide Ohren hinaus, korrupten Polizisten angehalten. Zuerst wollte er unsere Zulassung fürs Auto sehen, als ich ihn auf unseren Hologramm Kleber an der Frontscheibe aufmerksam mache, genügt es dem guten Herr nicht. So hole ich halt auf sein hartnäckiges Verlangen noch das dazugehörige Papier hervor, auf diesem stehen die gleichen Daten wie auf dem Kleber selber. In der Zwischenzeit will er Adriano zu verstehen geben, das jetzt um diese Uhrzeit das Fahren auf dieser Strasse nur noch mit einer speziellen Bewilligung erlaubt sei. Adriano versteht sofort kein Wort spanisch mehr und sagt nur noch ingles (englisch) das kann erwartungsgemäß der Polizist nicht. Ich strecke ihm mit meinem besten Killerblick das gewünschte Papier unter die Nase. Als er schlussendlich feststellen muss, das bei uns keine propina (Schmiergeld) zu holen ist gibt er auf und bedankt sich ironisch für das Geschenk das wir ihm gegeben haben.

Kurz vor Puebla können wir die Sicht auf den 5452 m hohen rauchenden Vulkan Popocatepetl bestaunen, dieser qualmt seit 1994 regelmässig wieder Asche, Rauch und glühendes Gestein.

Doch wer empfängt uns schon wieder auf der gut befahrenen Umfahrungsstrasse von Puebla nach Cholula?

Erraten?

Zwei Polizisten mit Blaulicht, die ich aber noch während der Fahrt mit verneinenden Handbewegung und entgegenstrecken meiner gefälschten Schweizer ID abweisen kann. Wir fahren einfach weiter, die Polizei einmal rechts und einmal links von uns, nach ein paar verstrichenen Minuten begreifen sie, dass sie unseren Troopy mit ihrer Klapperkiste nicht stoppen können und geben dann endlich auf.

Wenn wir den Mexikanern unsere Begegnungen mit der Polizei schildern, meinen diese nur “son todos burros“ das sind alles Esel, Iha...

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