Reisebericht 36 Chile Teil 4 Seenlandschaft und Chiloe Drucken E-Mail

Chile FlaggeIm Sommer platzt das kleine Chalet-Dorf Pucón beinahe aus allen Nähten, jetzt im Spätsommer ist wieder Ruhe eingekehrt.


 

Eingebettet zwischen dem See und dem Vulkan Villarica lockt der Ort in der Hauptsaison Massen von Touristen an die von hier aus den Vulkan besteigen und einen Blick in den rauchenden Schlot werfen oder sich in einer der vielen umliegenden Thermen entspannen. Wir andererseits stellen uns auf den Campingplatz nah des Sees hin und decken uns mit frischen Lebensmitteln für das kommende Osterwochenende ein.

Als sich nach Tagen des nassgrauen Wetters und kuscheligen Filmabenden im Bett, sich der erste blaue Fleck am allmorgendlichen Himmel zeigt, geht’s weiter zum Lago Panguipulli. Wo wir einen wunderschönen Stellplatz, mal abgesehen vom Abfall, direkt am See mit Blick auf den Vulkan vorfinden. Am Ufer lernen wir zudem noch ein frisch ausgewandertes Deutsches Paar kennen, die unweit des Sees Cabañas (Chalets) bauen, und da wir keine Pläne für das Osterwochenende haben, verabreden wir uns mit den Beiden für den kommenden Tag. Den Heute, am Karfreitagabend wollen wir das Lachsfilet das wir im Supermercado ergattert haben, zusammen mit einem Glas Wein in trauter Zweisamkeit geniessen.

Um halb zwei Uhr nachmittags erscheinen dann die Deutschen, Erika und Rado zusammen mit ihren chilenischen Freunden. Zuerst geht’s gemeinsam in den netten Ort Panguipulli, anschliessend weiter auf den Hügel zu ihrer Cabanas Baustelle, wo wir einen Blick auf ihr Projekt erhaschen können. Im zurzeit einzigen Haus mit Dach, der Wohnstätte der Arbeiter sitzen wir zusammen auf wackeligen Holzbänken, essen frische Empanadas (gefüllte Fleischtaschen) schlürfen Pisco sour und erfahren mehr über ihre „wir sind ausgewandert“ Erlebnisse in der neuen Heimat. Am Abend geht’s nach Panguipulli zurück in das gemietete Cabaña des Paares, das sich als reine Villa Durchzug aufzeigt, ohne Cheminée würde man sich hier drin glatt den A... abfrieren, denn Isolation und Doppelverglasung sind Fremdwörter für den Chilenen.

Nun haben wir nach langer Zeit wieder mal die Gelegenheit uns auf der Panamericana fortzubewegen. In Chile ist dies eine mautpflichtige, vierspurige Autobahn die sich auf der gesamten Länge durchs Land zieht. Wir gelangen so auf dem schnellsten Weg zum Lago Llanquihue und dem Bilderbuch Vulkan Osorno. Idyllisch am See liegt Frutillar Bajo, das einst von deutschen Eingewanderten gegründet worden ist. Die Campingplätze sind um diese Jahreszeit cerrado (geschlossen) und die sonst belebte Promenade entlang des Sees tranquillo (ruhig) und daher für uns perfekt zum Nächtigen. Am nächsten Morgen, als sich der Nebel gelichtet hat und sich wie ein Teppich zu Füssen des Vulkans gelegt hat, spazieren wir bei schönstem Wetter entlang der Uferpromenade des Ortes, die von einem Schweizer Lebensmittel-Multi gesponsert worden ist…

Nichts Ungewöhnliches jedoch Befremdendes sind die Holzschilder vor den Riegelhäuser, nicht die Schilder an sich, sondern die deutschen Wörter darauf. Das von den Chilenen in den Wortschatz übernommene Wort Kuchen, steht praktisch vor jedem zweiten Haus, ferner hängt das Puppenhaus, das Bauernhaus und das wichtigste für unsere nördlichen Nachbarn, die Bäckerei, die höchstwahrscheinlich auch Vollkornbrot verkauft…

Weiter entlang des Sees nähern wir uns dem Vulkan Osorno, der Adriano nun nur noch mit dem Weitwinkel aufs Foto kriegt. Wir finden in Ensenada, einer Ansiedlung von Cabañas und Sommerhäuser reicher Chilenen o Wunder einen geöffneten Campingplatz direkt am See. Der schwarze Sandstrand ist gut besucht von streunenden Hunden, die uns auf unserem Spaziergang begleiten und uns mit Wurfgegenständen zu Füssen liegen.

Unterwegs zum See, Todos los Santos, treffen wir die Österreicher Margit und Jörg an, die mit ihrem Landrover an der Kreuzung stehen und nicht wissen welche Richtung sie einschlagen sollen. Auch sie entscheiden sich für den „angeblichsten“ schönsten See Chiles und sind dort bereits schon am Käfele (Kaffetrinken) als wir anrücken. Die Vulkanspieglung des Osornos im grünen See ist auch wieder nur ein Lockmittel des Reiseführers, das einzige was sich darin spiegelt ist der monströse Hotelbunker der sich unweit des Ufers befindet. Enttäuscht kehren wir dem See den Rücken zu und stellen uns, gemeinsam mit den Österreichern, auf den schwarzen Lavakiesel ins Grüne.

Nach der halbstündigen Überfahrt und der Begleitung von Delfinen werden wir mit lautem Geschrei von den Seehunden auf der Insel Chiloé empfangen. Wir entscheiden uns erst für die Westküste und gelangen zu einem Strand mit dem mädchenhaften Namen Rosaura. Hier finden wir den wilden Pazifik mit den zwei Meter hohen Wellen die unter lautem Getöse auf dem schwarzen Kiesstrand brechen und den mit weissem Schaum überfluten. In den grünen Hügel grast das Fleckvieh, am Himmel segeln die Kondore und aus den Wellblechhütten steigt weisser Rauch in den abendlichen violett roten Himmel. Für uns ohne Frage ein Traumstellplatz der mich ein bisschen an die grüne Insel erinnert.

Auf unserem Strandspaziergang am nächsten Morgen, treffen wir den Nachbarn an, der mit seiner Familie im roten Häuschen unweit des Strandes lebt. Jetzt bei Ebbe sucht er im Sand nach Meeresfrüchten und meint als er so in den Himmel schaut, dass schlechtes Wetter im Anmarsch ist. Auf der Panamericana gen Süden kommen wir nach Dalcahue und der von den Jesuiten anno 1‘750 errichteten Holzkirche. Wir haben uns diese charakteristischer vorgestellt, denn die Kirche mit den wettergegerbten Schindeln und den kaputten Fenster versetzt uns nicht wirklich ins Staunen, da ist die Pier mit den schiefen Schindelhäusern und den farbigen Fischerkutter doch attraktiver.

Als nächstes liegt die enge und belebte Kleinstadt Castro auf dem Weg. Unser Bauchgefühl sagt uns aber, dass es besser wäre das Fahrzeug zuerst auf dem Campingplatz Llicaladad zu stellen. Doch leider erleben wir dort eine böse Überraschung, die hochnäsige Besitzerin mit ihrem dicken Mercedes Benz möchte für den von Kühen verschissenen Campingplatz, der sich auch noch unterhalb der Hauptstrasse und weit ausserhalb des Zentrum befindet, stolze 16 USD abknüpfen, exklusiv heissem Duschwasser versteht sich. Wir entscheiden uns Castro mit den Palafitos, die bekannten bunten Stelzenhäuser, zu vergessen und direkt zum Nationalpark der Insel zu fahren. Als wir auf der Stichstrasse in Richtung Westküste halten, ziehen bedrohlich schwarze Wolken heran, der Chilote von heute Morgen hatte also doch recht. Chiloé wechselt zu seinem gewohnten Gesicht, nebelverhangene Wälder und ständiger Nieselregen, kein Wunder, dass bei diesem feuchtnassen Klima und der jahrhundertlangen Abgeschiedenheit sich die Chiloten gegenseitig Sagen über Trolle erzählt hatten. Die moosbewachsenen Wälder mit den Farnen und den roten Fuchsien können bestimmt zu solchen Fantasien anregen.

Genau vier kalte Regentage verharren wir am einsamen Strand im Nationalpark, beim Verlassen unseres Stellplatzes stellen wir zudem noch fest, dass der Rinnsal den wir vor Tagen durchquert haben zu einem metertiefen Bach angestiegen ist.

In Quellón der südlichsten gelegenen Ortschaft der Insel und dem eigentlichen Ende der Panamericana fahren wir gleich weiter, denn die Ortschaft ist nichts anderes als ein hässlicher Moloch.

Die Entscheidung die Ostküste zu besichtigen hängt vor allem mit dem guten Wetter zusammen, denn an der Insel selber finden wir nicht so grossen Gefallen, vielleicht waren unsere Erwartungen einfach zu gross. Wir stellen uns in Lliuco einem langgezogenen Dorf zwischen der Kirche und dem Meer auf eine Wiese. Ich mache mich sofort an die Arbeit und säubere mit der Bürste die Miesmuscheln, die ich zuvor auf dem Municipal Markt in Ancud, dem Fischer mit dem wetterzerfurchten Gesicht für wenig Geld abgekauft habe. Die Früchte Neptuns sind zwar sehr delikat gewesen, doch haben uns nur den Magen gekitzelt. Daher legen wir einen zweiten Muscheltag ein, dieses Mal wühlen wir aber selber im Sand herum bis wir ausreichend davon für die Spaghetti Vongole beisammen haben.

Auf dem Festland Chiles hat in der Zwischenzeit der Herbst begonnen, Nebelschleier liegen über den Feldern und die Laubbäume lassen ihre farbigen Blätter fallen.

Vorbei an der Stadt Temuco das wir grossräumig auf der Autobahn umfahren, erreichen wir Curacautin ein weiteres Wellblech Dorf im Stil der Chilenen, legen die eigentlich kein Wert auf schönes Wohnen?

 

Kurz nach Malalcahuello stechen wir zum Reserva Nacional Malalcahuello-Nalcas (Naturschutzgebiet) ab. Hier treffen wir auf die Araukarien Bäume, die bis zu 1‘000 Jahr alt werden und mit ihren krausen Nadelarmen die sie gebogen runter hängen lassen eine ureigene Note verbreiten. Mitten in diesen Arauchien schlagen wir unsere Nachtlager auf und müssen wegen den Minustemperaturen unseren Heizungsboiler anschmeissen. Der nächste Tag am Fuss des schneebedeckten Vulkan Lonquimay beginnt sonnig und kühl. Für uns Schweizer ein bizarrer Anblick so ein Vulkanskigebiet ohne Schnee, nicht nur wegen des fehlenden Schnees der liegt im Sommer auch nicht auf unseren Alpen, nein rein wegen der braunen Lavasche.

 

Weiter nordwärts erreichen wir den Nationalpark Conguillio und einen weiteren Asche- und Lavafluss Teppich der die umliegende Landschaft unter sich begraben hat. Llaima der 3‘125 Meter hohe Vulkan ist für diese Verwüstung verantwortlich und ist zurzeit bedeckt mit Wolken. Doch nah dies nah ziehen die vom Vulkankegel ab und geben eine freie Sicht auf seine majestätische Form und die weisse Rauchfahne. Der Llaima gehört ohne Zweifel zu Chiles aktivsten Vulkanen und hat bei seiner letzten Eruption im Januar 2008 erneut seine Lavaspuren hinterlassen. Das der Park wieder von beiden Seiten zugänglich ist, musste eine neue Piste geebnet werden, die Troopy nun unter seine Räder nimmt. Durch den herbstlichen Wald und den immergrünen Bambusstauden finden wir am Lago Conguillo (See) neben dem teuren Campingplatz einen Stellplatz am See, mit grandiosem Blick auf die Berge für Null Pesos.

Bevor wir endgültig Chile verlassen, ziehen wir noch eine Schleife durch das Tal entlang des Bio Bio Flusses. Wir fahren dabei an einem unscheinbaren Kaff namens Troyo vorbei, das aus einer Ansammlung Wellblechhäuser, einem Schulhaus, Dorfladen und einem stattlichen Polizeiposten besteht. Kurz nach dem Dorf finden wir einen klitzekleinen Stellplatz auf dem wir gerade noch Platz finden damit wir unsere Türe öffnen können. Die Wälder verlieren bereits schon das herbstliche Gewand und an den Schattenhängen liegt morgens der Raufrost. Adriano versucht sein Glück beim Angeln im Fluss, doch die Fische springen ihm nur an der Nase vorbei ohne nach dem Köder zu schnappen. Gegen den Abend zieht nun eine unangenehme Feuchtigkeit auf, die uns augenblicklich in die Kabine vertreibt, und somit ist die Campingsaison in der Seenlandschaft für uns definitiv abgeschlossen.


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Von Alaska nach Feuerland, Powered by Joomla!