Reisebericht 37 Argentinien Teil 4 Mittelargentinien Drucken E-Mail

Flagge ArgentinienÜber den Paso de Pino Hachado erreichen wir Argentinien und die uns bereits vertrauten Käffer entlang der Route 40.

 

In Malargüe, auf dem Municipal Camping auf dem wir Weihnachten in Mitten von Asado (Grill) Rauch gefeiert hatten, verbringen wir gute drei Wochen und, so grotesk es sich für die Leser anhört, machen Ferien vom Reisen. Malargüe hat uns bei unserem letzten Besuch gut gefallen da es klein, sauber und gemütlich ist, ausserdem verfügt dieser Ort über einen gut ausgestatteten Supermercado, einige Früchte- und Gemüsehändler und einen brauchbaren Internetshop.

Der Campingplatz ist ruhig, hat Wasser und Strom, heisse Duschen und kostet umgerechnet gerade mal 3 CHF am Tag, ideal also für einen längeren Aufenthalt.

Es ist nun Herbst und die Pappelalleen in ihren leuchtenden Herbstfarben laden ein für ausgedehnte Spaziergänge. Wir erleben in diesen drei Wochen drei verschiedene Jahreszeiten, angenehm warm und heiss, regnerisch und feucht kühl und zuletzt sogar ein wenig Schnee und eiskalt. Eine gute Abwechslung, nicht wahr... Wir gehen unseren alltäglichen Beschäftigungen ausser Autofahren nach: Kochen, Einkaufen, PC-Arbeit, Wäschewaschen, Autowarten und uns um eine neue Krankenschutz-Versicherung kümmern. Unsere ADAC ist nach zwei Reisejahren abgelaufen und nicht verlängerbar, schliesslich werden wir aber bei der australischen World Nomads fündig.

Wir machen uns auch Gedanken über unseren Rückreisetermin und nehmen per Mail den ersten Kontakt mit der Schiffsgesellschaft Grimaldi auf.

In der letzten Woche treffen dann auch noch Margit und Jörg auf den Campingplatz ein und wir verbringen zusammen warme Abende im Troopy.

Bei strahlend blauem Himmel verlassen wir erholt und wieder reiselustig Malargüe, tanken voll und sind verblüfft ab dem Dieselpreis der in den drei Wochen drastisch angestiegen ist.

In der Pampa del Diamante biegen wir rechts nach El Nihuil ab. Die kleine Ortschaft mit der Betonstaumauer die den See vom Fluss abtrennt ist der Ausgangsort für den Canon del Atuel, der uns die Beiden jungen Argentinier auf dem Campingplatz sehr empfohlen haben. Dies zu Recht, die Landschaft mal abgesehen von den Energiekraftwerken die sich verstreut im Tal befinden ist sagenhaft schön. Wir kurven entlang des Flusses durch den Canon treffen dabei nur auf wenige andere Ausflügler und haben somit auch keine Probleme einen ruhigen Stellplatz zu finden. Neben den verschieden Steinformationen, der Ruhe im Canon hat sich auch das Wetter gebessert, Frost ade T-Shirt olé.

Nun geht es schnurgerade durch die Pampa, vorbei an der Polizeikontrolle in Puente Las Horquetas nach San Luis. Von der Stadt aus fahren wir mit einem Einkaufswagen voll Esswaren schwerer nach Trapiche weiter. Hier hat auf den ersten Blick die Neuzeit Einzug gehalten, obwohl der Municipal Camping sehr einfach mit einem Holzofen-Heisswasser System daher kommt, können wir wiederum mit dem kostenlosen WiFi des Ortes surfen.

Wir erlangen die Höhen der Sierra de Cordoba und beim Durchfahren der Ortschaft Sta. Rosa fällt uns auf, dass praktisch an jedem Auto die argentinische Flagge befestigt ist. Da steht wohl ein Fest vor der Türe, was uns beim Nachfragen auch bestätigt wird, 200 Jahre argentinische Unabhängigkeit wird am kommenden 25. Mai gefeiert.

 

Auf der kurvigen Strasse erreichen wir nach wenigen Kilometern Villa Gen. Belgrano die deutsche Enklave von Argentinien, in der sogar das Oktoberfest alljährlich gefeiert wird. Auf einem Spaziergang durch den Ort, hat man tatsächlich das Gefühl in einer mitteleuropäischen Ortschaft gelandet zu sein, die zentrale Strasse ist verziert mit auf Deutsch angeschriebenen Holztafeln, Chalets und in den Schaufenster stapeln sich massenweise Bierhumpen und deutscher Folklore Kitsch auf. Für die zahlreichen Argentinier, die an diesem verlängerten Wochenende den Ort besuchen, ist das sicherlich ein besonderes Ereignis, wahrscheinlich wie für einen Schweizer den Ort Zermatt mit dem Matterhorn. Im Kiosk weckt es bei uns aber doch noch heimatliche Gefühle auf, erst finden wir deutsche Illustrierte, nicht mehr die Aktuellsten dafür mit mehreren Seiten Kreuzworträtsel und schlussendlich werden wir von der älteren Kioskfrau auf schweizerdeutsch bedient. Hätte sie noch Schweizer Schoggistängeli (Schokoladenriegel) im Sortiment geführt, wäre es nahezu identisch gewesen.

Der Campingplatz auf dem wir wohnen wird passend zum Ort von einem deutschen Pärchen geführt, so sind auch überwiegend die Reisefahrzeuge auf dem Gelände mit dem Wort Alemania beschriftet. Für unseren Geschmack ein bisschen zu viel des Guten.

Uns zieht es daher am 25. Mai dem Tag der Unabhängigkeit ans Gauchofest ins sieben Kilometer entfernte Los Reartes. Mit dem Taxi gelangen wir zum Festgelände und zahlen 40 Pesos um am lebhaften Fest teilnehmen zu können. Die traditionelle gespielte Musik ertönt ab der Bühne und der beissende Pferdegeruch liegt in der Luft. Wir kommen gerade rechtzeitig zu dem Finale der Gaucho Reitspiele, in dem in verschieden Kategorien von jung bis alt gekämpft wird. Das Ziel ist im gestreckten Galopp mit einem langen oder kurzen Stab ein roter Ring aufzuspiessen der am Haken einer Stange befestigt ist. Nach diesem noch ruhigen Wettkampf bei dem viel Präzision gefragt ist, geht es beim Nächsten wilder und staubiger zu. Denn die Finalteilnehmer treten zum Doppel Slalom Reitparcour an. Wir schauen staunend zu wie die Gauchos, auch Gauchas geschickt ihre Pferde zwischen den aufgestellten Tonnen im Galopp durchführen. Bei jedem Teilnehmer ist der Stolz deutlich in den Augen abzulesen und dieser wird noch zusätzlich von der traditionellen Kleidung verstärkt. Ihre Pferde führen sie galant in einer Hand und mit der anderen treiben sie diese mit der Peitsche voran.

Von wegen der Gauchotraum sei Vergangenheit in Argentinien, wir bekommen hier einen ganz anderen Eindruck. Der Zigarettenstummel im Mundwinkel wie festgeklebt, die Augen wegen des blendenden Sonnenlichts zusammengekniffen sitzen die Kerle selbstsicher im Sattel, so als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht.

Die Legende des Malboroman hat sich seit dem Rauchwerbeverbot in Europa und den Staaten bildhaft nach Argentinien verlegt. Doch was will ich auch viele Worte darüber verlieren schaut euch die Bilder dazu an. Für uns ist es auf jeden Fall ein tolles Erlebnis gewesen, an der Tradition und Kultur der Argentinier teilnehmen zu können.

Gegen den Abend wird zur livegespielten Musik getanzt, an den Tischen Asado (Grilladen) gegessen und Wein getrunken. Der Taxifahrer der uns zurück nach Villa Gen. Belgrano bringt, könnte anhand seiner roten dichten, gelockten Mähne ebenso aus Irland sein und wir ebenfalls aus Argentinien, denn in Argentinien fällt man mit seinem europäischen Aussehen nicht mehr aus dem Rahmen.

Troopy bekommt in Villa Gen. Belgrano gleich noch zwei neue Hinterreifen, den die Alten sind so zerschlissen von den Schotterstrassen Patagoniens das man das Gummiprofil regelrecht mit dem Finger wegkratzen kann.

 

Durch die Kornkammer Argentiniens in der Getreidesilos und Werbetafel für Landwirtschaftsprodukte die kleinen Dörfer ankünden, fahren wir an kilometerweiten Ackerlandschaften und ebenso weitläufigen Kuhweiden vorbei. Kein Wunder ist das Fleisch so zart in Argentinien, die Rinder haben hier ja auch genug Auslauf. Während wir in Richtung Nordwesten fahren, können wir regelrecht zuschauen wie auf unserem Thermometer die Temperatur ansteigt. In dieser Gegend gibt es freilich Milch, Fleisch und Kartoffeln in rauen Mengen aber an Diesel da mangelt es, wir als Fremde sogenannte Gringos bekommen gerade mal für 100 Pesos und keinen Centavo mehr eingefüllt, das gibt etwa 30 Liter her.

Die Provinz Santa Fé besteht entlang der Route 95 aus einer Savannenlandschaft die weiter nördlich in Baumwollplantagen übergeht. Die Strasse führt weiterhin auf einer Geraden und weit am Horizont nimmt man das Ziel als verschwommener flimmernder Strich wahr. Die Kilometer spulen sich auf unserer Kilometeranzeige nur so ab, Tankstellen dienen nicht nur um den notwendigen Kraftstoff zu tanken, sondern auch gleich noch als Übernachtungsplatz.

 In der nordöstlichen Provinz Chaco, im argentinischen Mesopotamien, treffen wir auf schäbige Wohnbaracken die sich seitlich der Strasse aneinanderreihen, diese verpassen uns nach den gepflegteren Holzarchitektonischen Dörfern gerade mal einen kleinen Kulturschock. Das Transportmittel ärmerer Familien ist wie in Asien das Kleinmotorrad, auf dem man gut zu Dritt auf den Lehmstrassen mit den tiefen Schlaglöchern vorwärtskommt. Die Ortszentren sind umsäumt von baufälligen Gebäuden und streunenden Hunden die im Abfall wühlen. Der einzige Grund, der uns in diese Siedlungen lockt ist Stadtwasser, das wir in unseren Wassertank füllen möchten. Die Tankstellen führen alle nur schlechtes Bohrwasser und mit solcher Brühe wollen wir den Tank nicht unnötig beschmutzen. Schlussendlich finden wir auf dem maroden dafür kostenlosen Municipal Campingplatz in Roque Sáenz Pena das chlorhaltige und dadurch saubere H2o. In dieser Samstagnacht erleben wir nach langen wieder einmal das volle Programm was eine lateinamerikanische Geräuschkulisse alles so zu bieten hat.


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